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017.qxp 18.10.2010 13:38 Uhr Seite 3
Wasserkraft
Darf's ein bisserl mehr sein?
Wer heute ein Kleinwasserkraftwerk baut, muss fast immer damit rechnen,
auch eine Fischaufstiegshilfe - nein - falsch - der richtige Ausdruck ist
„Organismenwanderhilfe“ errichten zu müssen. Nicht nur „aufstiegswilli-
gen“ Fischen gilt das Interesse. Diese sollten auch wieder „absteigen“ kön-
nen. Und zusätzlich gibt es noch die Benthosorganismen - in vielen Fällen
Fischnährtiere - die sich ebenfalls - an der Gewässersohle krabbelnd - unge-
hindert fortbewegen können sollen. Wer weiß, worauf unbarmherzige
Biologen in den nächsten Jahren noch draufkommen, um dem
Wasserkraftbetreiber schlaflose Nächte zu bereiten.
Die Forderung nach Errichtung derartiger Systeme und Bauwerke gilt nicht
nur für Kraftwerke mit neuen Wehranlagen, sondern auch für jene, die beste-
hende Wehranlagen nutzen. Genau in diesen gar nicht seltenen Fällen führt
die Kraftwerksnutzung zu einer gewässerökologischen Verbesserung - man
kann es nicht laut genug sagen. Kein anderer würde Geld dafür in die Hand
nehmen. Derartige „Ökobauwerke“ kosten nämlich in mehrfacher Hinsicht
eine Menge Geld. Die Errichtungskosten betragen nicht selten mehrere %
der Gesamtbaukosten und die Betriebskosten für Wartung und
Wasserabgabe schlagen sich zusätzlich negativ auf der Ertragsseite nieder.
Trotzdem werden die Forderungen oft derart hoch angesetzt, dass das
Gesamtprojekt aus ökonomischen Gründen scheitert und die Situation
unverändert (schlecht) bleibt. Vernunft schläft gerade.
In den letzten zehn Jahren sind die Forderungen der Behörden hinsichtlich
Größe und Dotation dieser Systeme rasant gestiegen. Vergleicht man bei-
spielsweise die Wassertiefen in heute geforderten Systemen mit den
Gegebenheiten im natürlichen Gewässern, stellt sich die Frage, wie können
die armen Fische ebendort überleben. Aber sie können und führen dadurch
überzogenen Forderungen ad absurdum.
Mit dem in Österreich derzeit herangezogenen Entwurf einer Richtlinie wird
mit den geforderten Werten und Dimensionen weit über das Ziel hinaus
geschossen. Es kostet ohnehin nur das Geld des Kraftwerks- betreibers. Eine
vergleichbare Regelung in Deutschland kommt mit deutlich geringeren
Forderungen aus. Sind die deutschen Fische klüger? Mir scheint, dieses
Attribut gilt eher für jene, die sich diese Richtlinien einfallen lassen.
Ein besonders gelungenes Beispiel behördlicher Spitzfindigkeit ist mit kürz-
lich begegnet: Ein etwa 10 m langer überdeckter Abschnitt einer
Fischwanderhilfe musste mit einer elektrischen Beleuchtung ausgestattet
werden. Vielleicht damit der Fisch nicht gegen die Wand schwimmt? Oder
ist es die Vorsorge gegen unvermittelt auftretende Angst? Nein - es ist der
Ausdruck der Unwissenheit und schlichtweg Willkür eines Sachverständigen,
der einfach noch ein bisserl mehr fordern wollte als alle seine geschätzten
Kollegen.
Niemand stellt seitens der Kraftwerksbetreiber in Frage, dass ökologische
Begleitmaß-nahmen sinnvoll und
notwendig sind. Aber gleicherma-
ßen ist die Forderung zu erheben,
dass diese Forderungen tatsäch-
lich sinnvoll und notwendig sind
und Lizitation nach dem Motto:
„Wer fordert mehr“ inakzeptabel
ist und dagegen Widerstand gelei-
stet werden muß.
Nein - es darf kein bisserl mehr
sein als fachlich begründbar!
Die KSB-Pilotanlage stellt nicht nur eine wirtschaftliche,
sondern auch eine sehr fischfreundliche Turbinenlösung dar.
FLUSSTURBINE GING ANS NETZ
So lässt sich Wasserenergie auch ohne Staudämme nutzen:
Bei St. Goar am Rhein hat das Frankenthaler
Unternehmen KSB AG heute zwei Flussturbinen in Betrieb
genommen. Sie wandeln die Kraft des Rheinstroms in elek-
trische Energie um und speisen sie in das Stromnetz ein.
Dazu muss kein Wasser angestaut oder umgeleitet werden.
N
ach dem erfolgreichen Betrieb der beiden Prototypen, die
stromabwärts hinter St. Goar verankert sind, will KSB die
neuentwickelten Stromerzeuger nun kommerziell nutzbar
machen. „Wir glauben an eine Energieversorgung, die gleichzeitig
auf Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträg-
lichkeit zielt“, so Prof. Dieter-Heinz Hellmann, Vorstandsmitglied
der KSB AG. Mit der Entwicklung der Flussturbine eröffne sein
Unternehmen eine neue Möglichkeit, im Bereich der Kleinwasser-
kraft sauber und grundlastfähig Energie zu gewinnen.
Begleitet wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Forsten
und Verbraucherschutz in Mainz. Umweltministerin Margit Conrad
reiste eigens zur Inbetriebnahmefeier nach Frankenthal, wo sie das
Startsignal für die von der Firmenzentrale aus kontrollierte
Stromeinspeisung gab. „Erneuerbare-Energien-Technologien und
Effizienztechnologien haben sich zu dynamischen Leitmärkten der
deutschen Wirtschaft entwickelt“, so Conrad. Die Ministerin wür-
digte die Errichtung der Pilotanlage zum Test von zwei
Flussturbinen, die klimaschonend und umweltverträglich Strom
erzeugen. Sie seien ein weiterer Schritt der KSB AG, Innovationen
am Markt zu etablieren. „KSB ist ein wichtiger Arbeitgeber im Land,
der sich mit großem Erfolg auf dem Wachstumsmarkt Energie und
Klimaschutz bewegt und für Exportstärke steht. Die Flussturbinen-
Pilotanlage ist ein Beispiel dafür, wie Fließgewässer durch den
Einsatz moderner Technologien hocheffizient und gleichzeitig fisch-
und wasserwirtschaftlich verträglich zu nutzen sind.“
Ministerin Conrad betonte überdies die Bedeutung der heimischen
Ressourcen: „Rheinland-Pfalz ist ein Land voller Energie mit Sonne,
Erdwärme, Wind, Wasserkraft und Biomasse. Deren Nutzung sorgt
für eine langfristige und gesicherte Energieversorgung. Wir entkop-
peln uns damit von steigenden Preisen für nichtregenerative
Energieträger und sorgen für regionale Wertschöpfung.“ Die
Landesregierung unterstütze den Ausbau von Know-how und Tech-
nologiekompetenz im Energiesektor durch institutionelle För-
derung, Projektförderung sowie die Unterstützung von Netzwerken
und Verbundprojekten. In Frankenthal mit dabei waren auch
Vertreter der Wörrstadter Juwi-Gruppe, die ihre Erfahrungen in der
Nutzung erneuerbarer Energien in das Projekt eingebracht haben.
Prof. Dr. Bernhard Pelikan,
Vize-Präsident der ESHA
Darum kämpft
Ihr Pelikan
zek
Oktober 2010
17
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